Herbert Pöllinger

wurde am 29. August 1952 in Malta geboren. Seine Eltern besaßen einen kleinen Bauernhof, die Lebensverhältnisse waren einfach, aber in seiner Familie gab es immer schon die Liebe zur Musik. Mit sechs Jahren bekam Herbert seine erste Harmonika, es war eine Zeit, in der es noch keine Musikschulen gab und die Harmonika nur noch von wenigen Musikanten gespielt wurde. Trotzdem war es viel Geld für die Familie. – Die Mutter hatte die Harmonika am Markt gekauft. Als der Vater am Wochenende von seiner Arbeit nach Hause kam, war er nicht glücklich darüber und schimpfte. In der darauffolgenden Woche übten Mutter und Sohn fleißig auf dem Instrument, und am nächsten Wochenende konnte Herbert seinem Vater ein kleines Lied vorspielen. Da erkannte dieser erst das Talent seines Sohnes und unterstützte ihn mit allen Mitteln.

Herbert bekam Flügelhornunterricht und wurde wie sein Vater Mitglied der Trachtenkapelle Malta. Die Harmonika lernte er autodidaktisch und war Harmonikaspieler bei der Volkstanzgruppe und den Schuhplattlern.

Auf Wunsch des Vaters erlernte er das Tischlerhandwerk. Doch nach der Gesellenprüfung zog es ihn schon wieder zur Musik.

Nach einem Vorspiel wurde Herbert bei der Militärmusik Kärnten in Klagenfurt aufgenommen. In dieser Zeit besuchte er auch das Konservatorium im Fach Trompete und absolvierte die Kapellmeisterprüfung. Die Militärmusikzeit war für ihn wunderschön, aber trotzdem zog es ihn nach Hause, weil er damals schon mit seinen Geschwistern Tanz- und Unterhaltungsmusik machte. (Es waren die Jahre, in denen die Oberkrainermusik von Slavko Avsenik die Musikszene revolutionierte.) Hier entstanden auch seine ersten Kompositionen.

Herbert gründete mit seinen Geschwistern und Musikerfreunden das Oberkärntner Sextett, eine Musikgruppe, in der er 29 Jahre lang aktiv war. Seine besondere Leidenschaft war jedoch immer die Harmonika. Die Wartezeit bis zur Anstellung als Musiklehrer überbrückte er als selbstständiger Privatlehrer auf den verschiedensten Instrumenten, als freier Mitarbeiter beim ORF (Günther Antesberger/Volksmusikabteilung) und als Aufnahmeleiter im Tonstudio Help Records.

1983 wurde er als erster Harmonikalehrer im Kärntner Landesmusikschulwerk aufgenommen und verhalf dem Instrument zu einem großartigen Aufschwung. Die Nachfrage war enorm. Es gab Jahre, in denen er beinahe hundert Schüler hatte. Herbert vermittelte seinen Kindern neben dem musikalischen Können auch die Freude zur Musik. Der Höhepunkt jedes Schuljahres war immer die  Harmonikavorspielstunde, bei der Herberts Harmonikaschüler ihren Auftritt hatten. Zum Abschluss dirigierte er das wohl größte Harmonikaensemble des Landes. 20 Jahre lang war Herbert Pöllinger Musikschulleiter der Musikschule Lieser/Maltatal.

Auch auf das goldene Ehrenzeichen seiner Heimatgemeinde Malta war Herbert sehr stolz. Seine musikalische Ausbildung führte ihn dazu, die Steirische Harmonika zu revolutionieren, so war er einer der ersten, der sich Halbtöne in sein Modell einbauen ließ.

Schon in der „Computersteinzeit“ schrieben er und seine Frau Doris Notenhefte in Griffschrift. Gemeinsam erarbeiteten sie die „Pöllinger-Schule“ mit vielen Ideen, die teilweise im Unterricht, teils beim gemeinsamen Musizieren auf der Bühne entstanden waren. Auch auf das Spiel mit fünf Fingern wurde viel Wert gelegt. Herbert arbeitete mit vielen Harmonikafirmen zusammen. Auf seinen Wunsch hin wurde ein kleines vierreihiges Modell entwickelt, dass dem Schüler den Sprung von einer kleinen Dreireihigen auf eine große Vierreihige erspart.

All diese Vorschläge und Ideen führten schließlich zur Erzeugung eines eigenen Modells, der „Pöllinger Harmonika“.

Im Jahre 2003 erhielt Herbert vom Land Kärnten eine Urkunde für sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Viele seiner Schüler sind in der Zwischenzeit selbst Lehrer oder Bühnenmusiker geworden. Auch seine Frau Doris lernte er in der Musikschule kennen. Sie teilte mit ihm die Liebe für dieses Instrument. Als Harmonikaduo „Doris und Herbert“ schrieben sie viele Harmonikastücke und durften über 30 Jahre lang  musikalische Erfolge (Goldene Schallplatte/CD/DVD) feiern. Beim Harmonikafestival in Kerkrade (NL) erhielten sie das Harmonikasiegel der Stadt. Immer wieder wurden Herbert und Doris auch zu Seminaren eingeladen.

Später unterstützten die Kinder Mara und Silvo ihre Eltern musikalisch und als „Die Pöllys“ (Familienname Pöllinger) absolvierten sie viele Auftritte im In- und Ausland. 2014 feierten sie im Rahmen einer Jubiläumstournee ihr 30-jähriges Bühnenbestehen. Im eigenen Tonstudio wurden CDs produziert, fast alle mit Eigenkompositionen, an die 400 Stück sind es geworden.

Das Jahr 2016 brachte nichts Gutes für die Familie. Im Januar brach sich Herbert bei einem Leitersturz den Arm. Im Zuge der nachfolgenden Untersuchungen wurde die Krankheit diagnostiziert, der er schließlich erlegen ist. Es wäre sein Wunsch gewesen, das letzte Schuljahr vor seiner Pension zu vollenden. Alle Sorge galt seinen Musikschülern. Leider sollte es nicht so sein.

In der Pöllinger -Privatmusikschule werden jetzt alle Kinder, die es sich wünschen, von seiner Frau Doris weiter unterrichtet.

Auch die Kinder Mara und Silvo wollen den musikalischen Weg ihres Vaters fortsetzen.

„Es wäre nicht in seinem Sinn gewesen, wenn wir jetzt aufgeben. Wir wollen seine Musik weiterleben lassen.“

„Unsere Musik war das Spiegelbild einer großen Liebe. Wut und Leidenschaft kamen durch sie ebenso zum Ausdruck wie auch Harmonie und Zweisamkeit. Vielleicht war ihre Ehrlichkeit der Schlüssel unseres Erfolges.“

Am 28. Mai 2017 wird es ihm zu Ehren eine große Harmonikavorspielstunde in Gmünd/Kärnten geben, zu der alle Musikfreunde herzlich eingeladen sind.

Vorspielstunde der Pöllinger Privatmusikschule